10/11/2016

Binäre Optionen Broker: Boombranche mit Fragezeichen

Binäre Optionen Broker schießen seit Jahren wie Pilze aus dem Boden. Die Branche tut wenig gegen den impliziten Vorwurf, eher vom Wetten als vom Brokerage zu leben. Wie sollten kritische Trader Binäre Optionen Broker und ihre Geschäftsmodelle beurteilen?
Der Branchenstandard: Whitelabel mit Sitz in Zypern

Eine einschlägige Suche im Internet nach Brokern für Binäre Optionen fördert eine größere Zahl von Anbietern zutage – und zumindest dem ersten Eindruck nach ebenso viele Vergleichsportale zum Thema. Die Markenvielfalt täuscht jedoch etwas: Nur sehr wenige ausschließlich auf Binäre Optionen spezialisierte Broker decken die wesentlichen Bestandteile der „Produktionskette“ hausintern ab. Stattdessen wird der Großteil der Leistungen von einigen wenigen Anbietern ohne Direktkontakt zum Endkunden eingekauft.

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Zu den wichtigsten Akteuren hinter den Kulissen zählt die LSE-gelistete TechFinancials Inc, die Niederlassungen unter anderem in Zypern, Japan, Hong-Kong und Israel unterhält. Das Unternehmen steht über Kooperationen wie z. B. White Label hinter diversen Marken der Branche, darunter 24Option, OptionFair, OptionBit und 365BinaryOption.

Die Einstiegshürden für neue Broker sind niedrig. TechFinancials wirbt damit, in drei Schritten zum Status eines EU-regulierten Brokers zu verhelfen. Am Ende des Prozesses steht ein regulierter Schirm für den Handel mit Binäroptionen inklusive Lizenzierung, Zahlungsabwicklung, Compliance, Liquidität, Back Office und Risikomanagement.



Das Geschäftsmodell: Hohe Markups auf die fairen Auszahlungen

Das Geschäftsmodell von White Label Brokern besteht damit im Wesentlichen aus Vertrieb und Front Office:

Die Anbieter werden für über ihre Marken vermittelte Transaktionen im Rahmen einer vertraglich vereinbarten Staffel vergütet. Die dem Endkunden als Broker präsentierten Anbieter sind nach strenger Definition somit eigentlich gar keine Broker, sondern lediglich Vermittler für die durch größere Plattformen im Hintergrund angebotenen Finanzprodukte.

Die Plattformen wiederum verdienen ihr Geld (und die Provisionen für Vertrieb und Front Office) dagegen durch die Gewinnspannen, die sich im Handel ergeben. Maßgeblich für die Gewinnbasis ist ungeachtet aller Kosten für Technik, Entwicklung und Hedging die Differenz zwischen den vereinnahmten Prämien und den ausgezahlten Gewinnen.

Wie hoch diese Spanne ausfallen könnte, lässt sich am Beispiel der weit verbreiteten und einfach nachvollziehbaren „Über/Unter“-Optionen nachvollziehen. Diese werden am Geld eröffnet und verfallen im Fall eines Calls wertlos, wenn der Basiswert am Ende der zumeist kurzen Laufzeit unter dem Kurs bei Beginn des Kontraktes notiert. Notiert der Kurs höher, wird der Einsatz samt einer Rendite zurückgezahlt.

Typischerweise erhalten Käufer einer solchen Option eine Rendite von etwa 70 %, wenn die Marktentwicklung korrekt vorhergesagt wurde. Eröffnen jeweils zehn Kunden eine Call- und eine Put-Option mit einem Einsatz von jeweils 100 €, vereinnahmt der Broker somit kumulierte Prämien in Höhe von 2.000 €. Zehn der Kontrakte verfallen notwendigerweise wertlos, zehn werden zu jeweils 170 € zurückgezahlt. Daraus ergäbe sich ein Rohgewinn in Höhe von 300 € bzw. 15 % der vereinnahmten Prämien.

Das erscheint im Vergleich mit Brokern im klassischen Sinne viel. Ein STP FX Broker ermöglicht seinen Kunden bei 2.000 € Einsatz durch 50-fachen Hebel den Handel mit einem Standard-Lot und verlangt dafür Kommissionen von ca. 8-15 € (Round Turn). Selbst unter Berücksichtigung weiterer Gewinnspannen z. B. im Zusammenhang mit der Hebelwirkung fallen die Roherträge bei diesem Geschäft um Größenordnungen geringer aus. Market Maker könnten dagegen deutlich höhere Erträge erzielen.
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