10/11/2016

So schröpfen Zockerbuden Anleger


Es ist der Stoff, aus dem Filme sind: Internetfirmen gehen mit wilden Optionsgeschäften auf Raubzug durch Großbritannien. In Zeiten, in denen Sparkonten keine Zinsen abwerfen, haben sie leichtes Spiel. Die Behörden kommen nicht hinterher.

Es sind schockierende Geschichten, über die britische Medien derzeit berichten. Tausende Briten seien betrügerischen Firmen, die aggressiv für sogenannte binäre Optionen werben, auf den Leim gegangen. Einfache Sparer und Kleinanleger - unter ihnen viele Rentner - hätten ihre gesamten Ersparnisse verloren. Laut dem National Fraud Intelligence Bureau (NFIB) handelt es sich um den aktuell größten Fall von Anlagebetrug im Vereinigten Königreich. Doch auf Hilfe von den Behörden können die Geschädigten nicht hoffen, denn diese wachen nur langsam auf - und das nicht nur in Großbritannien.

Jeden Tag würden der Polizei zwei Fälle gemeldet, schreibt die "Daily Mail", die zusammen mit dem renommierten "Büro für Enthüllungsjournalismus" (BIJ - Bureau of Investigative Journalism) erstmals über diesen internationalen Anlagebetrug berichtet. Den Medien wurden die Akten Hunderter Opfer zugespielt. Im Schnitt seien die Opfer um 16.000 Pfund erleichtert worden, heißt es. Einzelne hätten bis zu 200.000 Pfund verloren. Für viele seien es die gesamten Ersparnisse gewesen. In der Brokerszene sollen Geschichten von Kunden kursieren, die sich nach dem Verlust des Geldes das Leben genommen hätten.

Organisiert wird der groß angelegte Betrug offenbar aus Callcentern im Ausland. Ihre Standorte sind größtenteils in Israel, Zypern und Rumänien, wie bereits aus anderen Berichten bekannt ist. Der Auftrag an die schnell geschulten Turbo-Verkäufer laute explizit, die Kunden "auszurauben", berichten die Medien weiter. Der Druck sei hoch. Alle wüssten, dass es sich um Betrug handele. Aber die Mitarbeiter seien jung. Viele kämen aus Europa und den USA oder seien israelische Araber. Viele würden den Job wegen des Geldes machen, er werfe deutlich mehr ab als ein Kellnerjob.

Vor allem Israel hat sich offenbar zu einem Zentrum dieser Firmen entwickelt, das bestätigt auch die "Jüdische Allgemeine", die selbst solchen Vorgängen nachgegangen ist. Die Herkunft und die Besitzverhältnisse von Unternehmen wie "Inside Option" seien häufig undurchsichtig, heißt es. Auch wie viele solche Firmen es überhaupt gebe, sei wegen der mangelnden Überwachung unklar. Beobachter schätzten den gesamten Umsatz dieser Handelsplattformen allerdings auf mehrere Milliarden Dollar.

"Alles-oder Nichts": Der Lockruf des schnellen Geldes

Doch wie funktioniert der Handel mit binären Optionen, die auch bekannt sind als "Alles-oder-Nichts-Optionen"? Einfach ausgedrückt sind es Wetten auf minimale Preisveränderungen bei Aktien, Währungen und Rohstoffen. Gehandelt wird nur im Internet, also außerhalb der Börsen. Der Vorteil dieser Optionen ist, dass sie sehr einfach zu handeln sind. Eine Option ist an einen Basiswert wie zum Beispiel das Währungspaar Euro/Dollar oder den Dax gekoppelt. Der Händler platziert eine Wette darauf, ob der Kurs des Basiswerts innerhalb einer gewissen Zeit (zum Beispiel 30 Sekunden) über oder unter einem vorher festgelegten Kurs liegt.

Liegt der Anleger mit seinem Tipp richtig, erhält er zwischen 60 und 80 Prozent seines Einsatzes als Gewinn. Liegt er falsch, erleidet er einen Totalverlust seines Einsatzes. Der Handel, der auch "Forex" genannt" wird, ist generell legal. Branchenkenner warnen aber, dass solche Handelsplattformen grundsätzlich nichts anderes als Glückspielanbieter seien. Nicht umsonst fällt der Handel mit binären Optionen in Großbritannien nicht unter die Finanzaufsicht, zuständig ist die Glücksspielkommission (Gambling Commission).

Die Turbo-Gewinnwahrscheinlichkeit sei in allererster Linie auf die Seite des "Brokers" ausgerichtet, sagen Kritiker. Mangels Gesetzen findet der Handel zudem in einer Grauzone statt - ein perfekter Nährboden für kriminelle Machenschaften.

Die Masche der Callcenter-Mitarbeiter sei immer dieselbe, berichten "Daily Mail" und das "Bureau of Investigative Journalism". Zunächst köderten die Mitarbeiter ihre Kunden mit Mails, in denen sie mit hohen Gewinnen bei kleinen Einsätzen werben würden: "75 % pro Stunde", so und ähnlich lauten entsprechende Werbesprüche, die eine Internetsuche ausspuckt. Durch Gewinne, die dann häufig aber nur auf dem Papier existierten, spornten die Mitarbeiter die Kunden danach an, weiter zu investieren.

Wenn sie Zugriff auf die Konten der Kunden hätten, würden sie am Ende unauthorisiert Geld abheben. Der Kunde sei machtlos. Häufig hätte er schlicht auch das Kleingedruckte nicht gelesen. Dämmere dem Kunden, dass er betrogen worden sei und sich beschweren wolle, erreiche er meist niemanden mehr. Entweder die Firma oder das Kundenkonto seien dann aufgelöst.

Behörden wachen nur langsam auf

In vielen Ländern - wie in den USA, Israel oder Belgien - sind solche Geschäfte inzwischen zumindest zum Teil verboten oder reguliert. So ist seit 2015 der Handel mit binären Optionen innerhalb Israels oder mit Israelis verboten; er unterliegt der israelischen Aufsichtsbehörde ISA. Nicht reguliert sind allerdings die Geschäfte mit Ausländern.

Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA warnt immerhin vor binären Optionen. Auch bei deutschen Anlegern und Tradern wird dieser Handel im Internet immer beliebter. Die deutsche Finanzaufsicht beobachtet das mit wachsender Sorge. Sie hat bereits signalisiert, dass sie bereit stehe. Auch Verbote schließt sie nicht aus. Die britische Regierung und die Finanzaufsicht in London schauen derweil weiter zu.

Artikel Quelle: http://www.n-tv.de/wirtschaft/So-schroepfen-Zockerbuden-Anleger-article18711691.html
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